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Tschechiens Außenhandel fiel 2009 auf das Niveau von 2006 zurück :: Tschechien und Prag von A bis Z :: Tschechien Online

Tschechiens Außenhandel fiel 2009 auf das Niveau von 2006 zurück

Importe aus Deutschland um 22% eingebrochen / Von Miriam Neubert (gtai)

Prag
- Nach Jahren des Wachstums ist Tschechiens Außenhandel 2009 um 16% zurückgegangen. Besonders betroffen war der Warenaustausch mit Schlüsselpartner Deutschland, der um umgerechnet 10 Mrd. Euro abnahm.

Das Jahr endete mit vorsichtigem Optimismus: Erstmals nach 14 Monaten Talfahrt zeigten die tschechischen Exporte im Dezember auf Vorjahresbasis wieder einen Anstieg. Die Einfuhren gaben zwar weiterhin nach, doch war es innerhalb des Betrachtungszeitraums der geringste Rückgang.

Für die hochexportabhängige Tschechische Republik war der Außenhandel 2009 der Kern des Problems: Wie vorläufige Zahlen des Tschechischen Statistikamtes zeigen, ist er in laufenden Preisen gegenüber dem Vorjahr um 16% geschrumpft. Es war der erste große Einbruch in der jüngeren Geschichte des Landes. Die Ausfuhren zeigten ein Minus von 14,1% auf 2.125,1 Mrd. Tschechische Kronen (Kc; rund 80,4 Mrd. Euro; durchschnittlicher Wechselkurs 2009: 1 Euro = 26,445 Kc) und spiegelten sehr deutlich die im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gesunkene Nachfrage nach tschechischen Waren wider. Die rückläufige Auftragslage erfasste fast alle Bereiche des verarbeitenden Gewerbes, das seine Produktion zweistellig zurücknehmen musste und entsprechend weniger Halbwaren und Industriegüter importierte. Die Einfuhren gingen um 18,1% auf 1.971,9 Mrd. Kc (74,6 Mrd. Euro) zurück. Positiv entwickelten sich auf Kronenbasis allein die Nahrungs- und Genussmittelimporte (+2,8%).

Dank der allmählichen wirtschaftlichen Erholung bei den wichtigsten Handelspartnern aber spürten viele Unternehmen zu Jahresende wieder neuen Wind. Im Dezember 2009 ging es mit den Exporten vorjährig erstmals nach 14 Monaten wieder bergauf (+4,8%). Die Importe blieben noch rückläufig, aber mit -2,6% geringfügiger als in den Monaten zuvor. Wer ihr letztes Wachstum sucht, muss in den September 2008 zurückgehen, den letzten Monat vor der Rezession. "Export und Import sind zwar nur ein Faktor für die Entwicklung der tschechischen Volkswirtschaft, doch ist ihr Einfluss grundlegend", kommentierte die Ergebnisse Jaroslav Vomastek, Leiter der Abteilung Wirtschaftsanalyse des Ministeriums für Industrie und Handel. "Daher kann die Entwicklung der Außenhandelsbilanz in den vergangenen Monaten von einer allmählichen Belebung der tschechischen Wirtschaft zeugen." Von "vorsichtigem Optimismus" sprach der Industrieverband der Tschechischen Republik. Die Experten des Finanzministeriums rechneten in der jüngsten makroökonomischen Prognose damit, dass im 1. Quartal 2010 Ausfuhren wie Einfuhren vorsichtig aufzuleben beginnen und im Gesamtjahr gegenüber 2009 nominal und real auf Kronenbasis wieder zunehmen werden.

Die weltweite Rezession hat den tschechischen Außenhandel 2009 auf das Niveau des Jahres 2006 zurückgeworfen, das sogar noch leicht unterschritten wurde. Zugleich aber brachte es dank positiver Austauschrelationen und der rückläufigen Importnachfrage mit 153,2 Mrd. Kc (5,8 Mrd. Euro) den höchsten Handelsüberschuss seit 2005, als der Saldo erstmals und seitdem beständig ins Positive umgeschlagen war. In Folge der deutlichen Abwertung der Krone zu Euro und insbesondere zum US-Dollar ist der Warenaustausch ausgedrückt in diesen Währungen noch stärker zurückgegangen. In Euro lag die Ausfuhr um 18,9%, die Einfuhr um 22,7% unter dem Vorjahreswert; in US-Dollar waren es jeweils -23,2% und -26,6%.

Besonders traf es den deutsch-tschechischen Außenhandel. Nach Angaben des Tschechischen Statistikamtes ist er von seinem Rekordvolumen von umgerechnet 56,3 Mrd. Euro im Jahr 2008 auf 46,4 Mrd. Euro 2009 zurückgefallen. Aus Deutschland wurden nur noch Waren im Wert von 20,1 Mrd. Euro importiert. Das waren 22,1% weniger als 2008. Zugleich hielt Deutschland seinen Anteil von 27% an den tschechischen Einfuhren. Positive Dynamik gab es bei Genussmitteln, in einigen Nahrungsmittelsegmenten (Fleisch und Wurstwaren, Eier und Milchwaren, Fisch, Ketchup und Fertigsaucen), bei Arzneimitteln und Drogeriewaren sowie bei Aufnahmegeräten.

Unterdurchschnittlich gingen die tschechischen Ausfuhren nach Deutschland zurück, um 13,7% auf 26,3 Mrd. Euro. Positiv schlug sich hier die deutsche Abwrackprämie nieder. Sie erlaubte es Tschechien auch, den Überschuss im Handel mit Deutschland um 1,8 Mrd. auf 6,2 Mrd. Euro weiter auszubauen. In dem bilateralen Warenaustausch spiegeln sich die geografische Nachbarschaft beider Länder und die enge wirtschaftliche Verflechtung wider. Für Tschechien ist Deutschland der zentrale Handelspartner (33% der Exporte). Umgekehrt wies das Statistische Bundesamt in Wiesbaden in der Liste der wichtigsten deutschen Handelspartner die Tschechische Republik auf Platz 12 aus (Januar bis Oktober 2009). Vom Wert der deutschen Ausfuhren her lag Tschechien vor der Russischen Föderation, Schweden, Dänemark, Ungarn, der Türkei und Japan.

Dominiert wird der tschechische Außenhandel von Maschinen und Straßenfahrzeugen. Ihr Wert gab von allen Warengruppen 2009 am stärksten nach. Die Einfuhren gingen auf Kronenbasis um 19% (7,1 Mrd. Euro) zurück, besonders heftig in den Segmenten Spezialmaschinen (-38,5%) und Metallverarbeitungsmaschinen (-46,1%). Die Ausfuhren lagen um 15,4% (7,8 Mrd. Euro) unter dem Vorjahreswert. Die wichtigsten Einfuhrgruppen und Hauptexportprodukte sind Straßenfahrzeuge, Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung, Computer, Industriemaschinen, Erzeugnisse der Nachrichtentechnik. Mit Ausnahme der Geräte zur Elektrizitätserzeugung (SITC 77) fiel der Handel in all diesen Segmenten zugunsten Tschechiens aus.

Besonders hebt das Statistikamt die Entwicklung in der Kernbranche, der Automobilindustrie, hervor, die 2009 die Exporte antrieb. Ihr Anteil an der Gesamtausfuhr stieg zwischen 2008 und 2009 von 15,8 auf 17,3% (Pkw 9,4%, Kfz-Teile 6,8%). Tschechien profitierte als Kleinwagenproduzent (Skoda Auto, Hyundai, TPCA) von der Welle der Abwrackprämien in vielen europäischen Ländern und konnte den Positivsaldo im Pkw-Außenhandel um 26,8 Mrd. Kc (1,0 Mrd. Euro) auf 154,1 Mrd. Kc (5,8 Mrd. Euro) weiter steigern. Hingegen nahm der Überschuss bei den Kfz-Teilen um 23,5 Mrd. Kc (888,6 Mio. Euro) auf 52 Mrd. Kc (2,0 Mrd. Euro) ab.

Da 2009 die Lager drastisch abgebaut wurden und die Unternehmen weniger einführten, nahm der Handelsüberschuss bei Halbwaren, Vorerzeugnissen und anderen Fertigwaren zu (positiv ist die Bilanz unter anderem bei Möbeln, Fertighäusern, Sanitärtechnik). Diese Einflüsse milderten das traditionelle Defizit im Außenhandel mit Chemikalien, das aber mit umgerechnet 3,4 Mrd. Euro das zweithöchste blieb nach dem Brennstoffhandel. Die Abhängigkeit von der Arzneimitteleinfuhr steigerte sich weiter. Dafür ging das Defizit bei den Kunststoffen in Primärform, den chemischen Erzeugnissen und Düngemitteln zurück.

Außenwirtschaftlich ist die Tschechische Republik in hohem Maße in die EU intergiert, die 2009 gut 86% der Ausfuhren aufnahm. Die höchsten Handelsüberschüsse werden mit Deutschland, der Slowakei, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Österreich verzeichnet. Die größten, wenn auch 2009 verringerten Defizite hat Tschechien im Warenaustausch mit der VR China, Russland, Japan und Korea (Rep.). (mn)


*) Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %
Quelle: Tschechisches Statistikamt

Tschechien Online, 25.2.2010
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